Häufig verwendete kolorimetrische Reagenzien in der Festphasen-Polysaccharid-Synthese (SPPS)
Im Bereich der Festphasen-Peptidsynthese ist der vollständige Ablauf jeder chemischen Reaktion entscheidend für die Reinheit und Sequenzgenauigkeit des Endprodukts. Der Syntheseprozess folgt einem zyklischen Verfahren aus „Entschützung – Waschen – Kupplung – Waschen“ zur schrittweisen Kettenverlängerung. Selbst geringfügige Defizite in der Kupplungseffizienz einer einzelnen Aminosäure können zur Anreicherung von Verunreinigungen wie beispielsweise deletierten Peptiden führen und die nachfolgende Trennung und Reinigung erheblich erschweren. Daher ist es unerlässlich, Schlüsselschritte wie Entschützung und Kupplung zu überwachen, um den Reaktionsabschluss zu bestätigen. Aufgrund ihrer einfachen Handhabung, schnellen Reaktionszeit und Kosteneffizienz haben sich kolorimetrische Methoden als unverzichtbare Nachweiswerkzeuge etabliert. Diese Methoden liefern spezifische Farbänderungen, die visuell das Vorhandensein oder Fehlen freier Aminogruppen am Harz anzeigen und somit wichtige Qualitätskontrollpunkte während der Synthese ermöglichen. Dieser Artikel erläutert systematisch die chemischen Grundlagen, die Reagenzienherstellung und praktische Aspekte einiger klassischer kolorimetrischer Reagenzien und bietet somit eine technische Anleitung für Peptidsynthese-Experimente.
1. NinhydrinTest (Kaiser-Test)
Der von Ralph Kaiser et al. vorgeschlagene und auch als Kaiser-Test bekannte Ninhydrin-Test ist die am weitesten verbreitete Methode zum Nachweis primärer Amine (-NH₂) und wird zur Überwachung freier Aminogruppen während der Peptidsynthese eingesetzt. Sein Kernmechanismus beruht auf der Behandlung einer kleinen Probe des Peptidharzes mit den Testreagenzien. Ninhydrin reagiert mit α-Aminogruppen (z. B. dem N-terminalen Amin der Peptidkette) und bildet ein charakteristisches blauviolettes Produkt – Ruhemanns Purpur –, dessen Farbintensität proportional zur Menge der vorhandenen freien Aminogruppen ist.
Notiz:Der Kaiser-Test erkennt keine sekundären Amine (z. B. Prolin) oder Aminogruppen, denen ein α-Wasserstoffatom fehlt (z. B. Diaminoisobuttersäure, α-Methylleucin und andere α,α-disubstituierte Aminosäuren).

1.1 Reagenzienherstellung
Drei Stammlösungen müssen unmittelbar vor Gebrauch zubereitet und gemischt werden. Die Rezepte lauten wie folgt:
- Lösung A:5,0 g Ninhydrin abwiegen und mit absolutem Ethanol auf 100 ml verdünnen. Lichtgeschützt bei Raumtemperatur lagern. Haltbarkeit: 1 Monat.
- Lösung B:80,0 g Phenol abwiegen, 20 ml absolutes Ethanol zugeben und vollständig lösen (leichtes Erwärmen kann die Auflösung beschleunigen). Lichtgeschützt bei Raumtemperatur lagern. Haltbarkeit: 2 Wochen. (Phenol oxidiert leicht; daher vor Gebrauch frisch zubereiten.)
Sicherheitshinweis: Phenol ist stark ätzend und kann über die Haut aufgenommen werden. Arbeiten Sie unter einem Abzug und tragen Sie Nitrilhandschuhe und Schutzbrille.
- Lösung C: 2 ml einer 0,001 M wässrigen Kaliumcyanid (KCN)-Lösung werden zu 98 ml redestilliertem Pyridin gegeben.
Kritische GefahrenwarnungKaliumcyanid ist extrem giftig – bereits 50–100 mg sind tödlich. Es kann über die Haut, durch Einatmen oder Verschlucken aufgenommen werden. Bei Kontakt mit Säure entsteht tödliches Cyanwasserstoffgas. Die Zubereitung muss in einem separaten Abzug unter Verwendung von Atemschutzmaske, Chemikalienschutzanzug und Nitrilhandschuhen erfolgen. Abfälle sind als hochgiftige Stoffe getrennt zu sammeln und dürfen niemals mit Säuren in Berührung kommen.
Notiz:KCN wirkt als Katalysator in der Farbreaktion. Ist KCN nicht verfügbar, kann es weggelassen werden. Zusätzlich kann die Zugabe einer kleinen Menge Ninhydrin während der Pyridin-Umverteilung dazu beitragen, Verunreinigungen zu entfernen, die zu Verfärbungen führen.
1.2 Testverfahren
Überführen Sie mithilfe einer Kapillare eine kleine Menge gewaschenes Harz in ein Reagenzglas. Geben Sie jeweils 1–2 Tropfen der drei vorbereiteten Lösungen hinzu. Die Mischung wird hellgelb erscheinen. Erhitzen Sie sie 2–3 Minuten lang auf 100–120 °C und beobachten Sie die Farbentwicklung.
- Wenn die Lösung gelb bleibt und das Harz transparent wird, ist die Kupplungsreaktion abgeschlossen.
- Wenn sich die Lösung oder das Harz blau färbt, sind freie Aminogruppen vorhanden, was entweder auf eine unvollständige Kupplung oder eine erfolgreiche Entschützung hinweist.
Wichtige Hinweise:
- Die Verwendung von zu viel Harz kann die Ergebnisse beeinträchtigen.
- Die Erhitzungszeit muss kontrolliert werden: Eine zu kurze Erhitzung kann zu falsch positiven Ergebnissen (unvollständige Farbentwicklung) führen, während eine zu lange Erhitzung die Abspaltung der Fmoc-Gruppe von der Aminosäure oder der Boc-Gruppe von den Lysin-Seitenketten verursachen kann, was zu falsch negativen Ergebnissen führt.
2. Chloranil-Test
Das kolorimetrische Reagenz Chloranil (Tetrachlorbenzochinon) ist ein häufig verwendetes chromogenes Reagenz, das primär zum Nachweis sekundärer Amine (wie der Aminogruppe in Prolin) eingesetzt wird, aber auch für primäre Amine verwendet werden kann. De-Fmoc-Reagenzien sind typischerweise sekundäre Amine (z. B. Piperidin, Morpholin, Dimethylamin). Daher kann der Chloranil-Test zur Untersuchung von Peptidharzen eingesetzt werden, um festzustellen, ob nach der De-Fmoc-Behandlung mit einem sekundären Amin noch Reste sekundärer Amine vorhanden sind und ob diese vollständig ausgewaschen wurden.
2.1 Herstellung der Testlösungen
- Lösung A: 2 ml Acetaldehyd zu 98 ml wasserfreiem DMF geben.
- Lösung B:2 g Chloranil in 98 ml wasserfreiem DMF lösen.
Vorsichtsmaßnahmen:Chloranil reizt die Haut. Beim Umgang damit müssen Schutzhandschuhe und Schutzbrille getragen werden. Direkter Hautkontakt oder Einatmen des Pulvers ist strengstens verboten. Bei der Zubereitung muss eine wasserfreie Umgebung gewährleistet sein, da Feuchtigkeit die Nachweisreaktion beeinträchtigen und zu ungenauen Ergebnissen führen kann.
2.2 Testverfahren
Überführen Sie mithilfe eines Kapillarröhrchens eine kleine Menge gewaschenes Harz in ein Reagenzglas. Geben Sie jeweils zwei Tropfen Lösung A und Lösung B hinzu. Mischen Sie gründlich und lassen Sie die Mischung 5 Minuten bei Raumtemperatur stehen. Verfärbt sich das Harz blaugrün, deutet dies auf das Vorhandensein freier Aminogruppen hin. Bleibt es farblos oder blassgelb, ist die Kupplungsreaktion abgeschlossen.
3. Bromphenolblau-Test
Der Bromphenolblau-Test bietet Vorteile wie einfache Durchführung, kurze Bearbeitungszeit, schnelle und empfindliche Farbentwicklung sowie geringe Toxizität. Das Prinzip dieser Methode beruht darauf, dass freie Aminogruppen (–NH₂) basisch sind und mit Bromphenolblau (einem sauren Indikator, pKa ≈ 4,0) eine Säure-Base-Reaktion eingehen. Diese Reaktion neutralisiert H⁺ in der Bromphenolblau-Lösung, wodurch der Indikator von „gelb (dissoziierte Form, HIn)“ nach „blau (dissoziierte Form, In⁻)“ umschlägt. Er kann verwendet werden, um festzustellen, ob die Kupplungsreaktion in der Festphasen-Peptidsynthese vollständig ist. Sind die Aminogruppen am Harz gebunden (d. h. nicht basisch), bleibt die Bromphenolblau-Lösung gelb. Sind freie Aminogruppen vorhanden, bewirkt deren Basizität einen Farbumschlag der Bromphenolblau-Lösung von gelb nach blau.
3.1 Herstellung der Testlösung
1 g Bromphenolblau-Pulver abwiegen und in etwas wasserfreiem DMF lösen. Anschließend mit wasserfreiem DMF auf ein Gesamtvolumen von 100 ml auffüllen und gut mischen. Die Lösung in eine Braunglasflasche füllen, beschriften und verschlossen bei 4 °C lagern. Zur Verwendung die Lösung direkt entnehmen und tropfenweise auf das Harz geben.
3.2 Testverfahren
Überführen Sie mithilfe eines Kapillarröhrchens eine kleine Menge gewaschenes Harz in ein Reagenzglas. Geben Sie eine geeignete Menge Bromphenolblau-Reagenz hinzu. Verfärbt sich die Lösung sofort von gelb nach blau, deutet dies auf das Vorhandensein exponierter Aminogruppen am Harz hin, was entweder auf eine vollständige Entschützung oder eine unvollständige Kupplung schließen lässt.






