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„Pflanzliche Peptide: Von der Identifizierung bis zu agronomischen Anwendungen“
Peptidanwendungen

„Pflanzliche Peptide: Von der Identifizierung bis zu agronomischen Anwendungen“

09.12.2025

Heute präsentieren wir einen zukunftsweisenden Artikel des Forschungsteams um Yi Cai von der Sichuan Agricultural University, erschienen in der renommierten Fachzeitschrift „Molecular Plant“. Der Artikel beleuchtet systematisch das immense Potenzial von Phytopeptiden als Biopestizide und Biostimulanzien der nächsten Generation. Er schlägt ein umfassendes Innovationssystem vor, das die Identifizierung von Pflanzenpeptiden, das Moleküldesign, die Bioproduktion, die ökologische Bewertung, die synergistische Innovation von Pestiziden und Saatgut sowie die Anwendung im Feld umfasst. Dabei integriert er modernste Technologien wie künstliche Intelligenz, Nanotechnologie und synthetische Biologie. Der Artikel bietet eine wissenschaftlich fundierte und praktikable Lösung für industrielle Herausforderungen, darunter die hohen Produktionskosten und die geringe Feldstabilität bei der Scale-up-Produktion von Peptiden.

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Forschungshintergrund 

Die globale Ernährungssicherheit steht aktuell vor der doppelten Herausforderung einer ökologischen Krise, ausgelöst durch den übermäßigen Einsatz chemischer Pestizide, und der zunehmenden Resistenz von Krankheitserregern. Laut Statistiken der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) verursachen Pflanzenkrankheiten jährlich weltweite Ernteausfälle von 20 bis 40 Prozent. Gleichzeitig stellen die Rückstände und die ökologische Toxizität herkömmlicher chemischer Pestizide eine ernsthafte Bedrohung für die menschliche Gesundheit und die Biodiversität dar. In diesem Zusammenhang haben sich Phytopeptide, natürlich vorkommende bioaktive Moleküle mit vielfältigen Funktionen – darunter Wachstumsregulation, Induktion von Stressresistenz und Immunaktivierung – als vielversprechende Alternativen zu chemischen Pestiziden und Düngemitteln erwiesen. Durch die Modulation endogener Signalwege in Pflanzen zeigen Phytopeptide ein erhebliches Potenzial bei der Abwehr von Krankheitserregern, der Milderung abiotischer Stressfaktoren (wie Dürre und Versalzung) und der Optimierung der Ressourcenverteilung. Sie gelten als Schlüsseltechnologie für die nächste Generation grüner Agrartechnologien. Ihre Kommerzialisierung wird jedoch durch technische Hürden wie die geringe Effizienz bei der Entdeckung neuer Peptidarten, hohe Kosten der chemischen Synthese, die Abhängigkeit von Wildstämmen für die industrielle Produktion und das Fehlen präziser Systeme für die Anwendung im Freiland behindert. Dieser Artikel bietet einen systematischen Überblick über die technologischen Fortschritte bei Phytopeptiden – von der Entdeckung bis zur Anwendung im Freiland –, schlägt interdisziplinäre Lösungen vor und liefert theoretische Grundlagen sowie praktische Wege für eine nachhaltige landwirtschaftliche Entwicklung.

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Technologische Durchbrüche und zukunftsweisende Fortschritte

  1. Multi-Omics-getriebene Revolution in den Paradigmen der Peptididentifizierung

Herkömmliche Methoden zur Peptididentifizierung, die auf Bioassays oder genetischem Screening basieren, sind ineffizient. Neue Technologien steigern die Effizienz durch die Integration von Multi-Omics-Daten und den Einsatz von KI deutlich. Forschende kombinieren Transkriptom- (RNA-Seq), Proteom- (MS) und Translatomdaten (Ribo-Seq), um die Identifizierung von Peptiden zu ermöglichen, die von kleinen offenen Leserahmen (sORFs) in nicht-kodierenden Regionen kodiert werden. So wurden beispielsweise durch einen Genom-weiten Scan von Mais mithilfe der Integration von Multi-Omics-Daten 1.993 neue, nicht-kanonische Peptide entdeckt, von denen 23 % aus intronischen oder UTR-Regionen stammen. Zu den repräsentativen Ergebnissen zählen ZmSCREAM1, das die Stomataentwicklung reguliert, und ZmCEP1, das an der Phosphorsignalübertragung beteiligt ist. KI-gestützte Deep-Learning-Modelle (z. B. AlphaFold2 in Kombination mit Convolutional Neural Networks) erzielen durch das Training mit Protease-Spaltstellenmerkmalen (z. B. der Präferenz von Subtilisin-ähnlichen Serinproteasen für das RKLL-Motiv) eine hohe Vorhersagegenauigkeit reifer Peptidsequenzen (Genauigkeit > 85 %). Darüber hinaus hat die räumliche Metabolomik einzelner Zellen die raumzeitlichen Verteilungsmuster von Peptiden in Bündelscheidenzellen aufgezeigt und festgestellt, dass PSK-Signale während der Xylemgefäßbildung ein Gradientendiffusionsphänomen aufweisen, wobei der Konzentrationsgradient positiv mit der Zellverlängerungsrate der Gefäße korreliert (R² = 0,87).

  1. Funktionsorientiertes Moleküldesign und Optimierung

Die funktionelle Vielfalt pflanzlicher Peptide beruht auf der Koevolution von Rezeptor und Ligand. Durch gezielte Mutagenese konservierter Stellen in CLE-Peptiden (z. B. Ser11→Ala) lassen sich Typ-B-Peptide mit funktionellen Eigenschaften des Typs A ausstatten, was eine duale Signalwirkung ermöglicht. So aktiviert beispielsweise die OsCLE45-Mutante gleichzeitig Programme zur Aufrechterhaltung des Wurzelmeristems und zur Entwicklung von Seitenwurzeln. Die Entwicklung chimärer Peptide (z. B. das Fusionspeptid RGF1-CLE40) integriert antibakterielle und wachstumsfördernde Module und verstärkt so gleichzeitig die Krankheitsresistenz und die Wurzelentwicklung in Arabidopsis thaliana. Der synergistische Effekt ist dabei 3,2-mal höher als der einzelner Peptide. Innovationen bei Nano-Transportsystemen verbessern die Peptidstabilität und das Targeting deutlich: pH-responsive Liposomen (PEG-PEI-Nanopartikel) verlängern die Verweildauer des antibakteriellen Peptids PIP3 in den Blättern auf 72 Stunden, während der durch zellpenetrierende Peptide (CPPs) vermittelte Endozytoseweg die Wurzelabsorptionseffizienz von Reis-OsPEP1 verdreifacht.

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  1. Industrialisierungsdurchbrüche in der Bioproduktion

Die großtechnische Produktion pflanzlicher Peptide steht vor Herausforderungen hinsichtlich der Anpassung der Wirtszellen und posttranslationaler Modifikationen. Prokaryotische Systeme (z. B. BL21(DE3)ΔaprEΔvpr) erreichen eine hohe Ausbeute (1,2 g/L) des insektenresistenten Weizenpeptids WheatPep1 durch das Ausschalten endogener Proteasegene. Pflanzliche Wirtszellen (z. B. das transiente Expressionssystem von Nicotiana benthamiana) vermeiden Endotoxin-Kontaminationen und synthetisieren erfolgreich das chilisresistente Peptid Capsaicin (30 mg/g Frischgewicht). Die Hefe Pichia pastoris löst das Problem der Hydroxyprolin-Modifikation im Sojabohnen-PSK-Peptid durch die Einführung der Säugetier-Prolyl-4-Hydroxylase und steigert so die biologische Aktivität um 40 %. Kryo-Elektronenmikroskopie enthüllt die dynamischen Konformationsänderungen des ternären FERONIA-RALF-RALB-Komplexes und liefert damit eine strukturelle Grundlage für das Engineering der Rezeptor-Ligand-Koevolution.

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  1. Mechanismen der ökologischen Sicherheit und mikroökologischen Regulierung

Die geringe Toxizität und Umweltverträglichkeit pflanzlicher Peptide sind zentrale Vorteile.50Die Konzentration des Zitruskrebs-Peptids APP3-14 für adulte Marienkäfer liegt bei >1000 μg/ml. Sein Wirkmechanismus beruht auf der selektiven Hemmung des Pathogen-Flagellenassemblierungsproteins (FliC). Metabolomische Studien zeigen, dass die Behandlung von Weizen mit PIP3 die Häufigkeit von Streptomyces in der Rhizosphäre um das 2,3-Fache erhöht und so ein krankheitsunterdrückendes Bodenmikromilieu schafft, das über vier Generationen anhält. Dieser Effekt ist eng mit PDIM-vermittelten mikrobiellen Interaktionen verknüpft. Strategien der synthetischen Biologie (z. B. die CRISPRi-Regulation von Wurzelexsudaten) können gezielt nützliche mikrobielle Gemeinschaften (z. B. Pseudomonas fluorescens) formen. Feldversuche belegen eine Reduzierung des Weizenrostbefalls um 41 % in der zweiten Saison.

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  1. Paradigma der kollaborativen Keimplasma-Innovation für Nutzpflanzen

Pan-Genomanalyse und Genomeditierungstechnologien ermöglichen die präzise Anpassung pflanzlicher Peptide. Der Tomatenrezeptor SlPEPR2 weist fünf Allelvarianten auf, wobei SlPEPR2-VAR3 im Vergleich zum Wildtyp eine dreifach erhöhte Sensitivität gegenüber RALF23 zeigt. GWAS-Kartierung identifiziert den negativen regulatorischen Locus OsPP2C15 in Reis und erklärt so die Unterschiede in der PSK-Signalantwort zwischen den Unterarten Indica und Japonica (phänotypischer Varianzbeitrag: 18,7 %). Ein CRISPR-Cas12a-Multigen-Editierungssystem schaltet gleichzeitig drei negative Regulatoren (AtPP2C42/56/78) aus und verstärkt dadurch die Immunantwort von Arabidopsis FLG22 um das Fünffache. Phosphoproteomik-Analysen zeigen, dass der Phosphorylierungsstatus der Thr24-Position in OsPIP1 die Richtung der Trockenstress-Signalantwort bestimmt (Ser334-Phosphorylierung fördert das Wachstum, während Ser360-Phosphorylierung die Abwehr aktiviert). Dieser Mechanismus erreicht eine Signalaufteilung durch kompetitive Bindung an 14-3-3-Proteine.

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  1. Intelligentes Feldmanagement-Anwendungssystem

IoT- und KI-Technologien ermöglichen die präzise Ausbringung pflanzlicher Peptide. Sensornetzwerke überwachen das Blattwasserpotenzial (ΨBlatt) und die Stomata-Leitfähigkeit (Gs) in Echtzeit und erstellen so ein dynamisches Anwendungsmodell für PIP3 (Schwellenwert: Bewässerung + Peptid-Sprühverfahren bei ΨBlatt 15 %) und ermöglichen so die gezielte, lokalisierte Ausbringung antiviraler Peptide (Reduzierung des Ausbringungsvolumens um 60 %). In Testgebieten sinkt das Auftreten des Tomaten-Gelbblättrigkeitsvirus (TYLCV) um 53 %. Eine „Peptid-Pestizid-Cocktail“-Strategie kombiniert das bakterizide Peptid Pep1 mit einer niedrigen Dosis Pyraclostrobin (125 g/ha) und erzielt eine Bekämpfungswirkung von 92 % gegen Krautfäule bei Kartoffeln. Der Antibiotikaresistenz-Risikoindex (ARI) wird im Vergleich zur alleinigen chemischen Bekämpfung um 47 % reduziert. Ein Managementregime über die gesamte Wachstumsperiode – Anwendung des Wachstumspeptids GRF6 im Keimlingsstadium, Wechsel zum krankheitsresistenten Peptid WAK1 im Ährenschiebenstadium und Anwendung des stressresistenten Peptids COR47 im Kornfüllungsstadium – erhöht das Tausendkorngewicht von Weizen um 12 % und den Proteingehalt um 1,8 %.

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Technologische Engpässe und zukünftige Entwicklungsrichtungen

Die aktuelle Forschung steht nach wie vor vor drei großen Herausforderungen:

Die funktionelle Annotationsrate für sORF-kodierte Peptide liegt unter 23 %, was die Entwicklung von raumzeitlichen Transkriptomik-Technologien mit Einzelzellauflösung erforderlich macht (z. B. seqFISH+ in Kombination mit CRISPR-Aktivierungssystemen).

Die Effizienz der heterologen Expression komplexer posttranslationaler Modifikationen (z. B. Redoxsensitivität von RGD-Motiven) ist gering, weshalb die Erforschung pflanzenbasierter, biologisch abbaubarer Materialien (z. B. Cellulosederivate) erforderlich ist.

Aufgrund möglicher mikrobieller Resistenzen bei Langzeitanwendung ist die Festlegung von Rotationsanwendungsplänen (Intervall ≥14 Tage) erforderlich.

Zukünftige Forschung wird sich auf drei Richtungen konzentrieren:

Grundlagenforschung:Aufbau einer global geteilten Pflanzenpeptiddatenbank (PlantPepDB) und Entwicklung von Assoziationsanalysewerkzeugen auf Basis von Graph-Neuronalen Netzen.

Technologische Innovation: Entwicklung von Nanoträgern mit dualer Reaktionsfähigkeit auf Licht und Magnetismus sowie Förderung der Kommerzialisierung von industriellen „Plug-and-Play“-Fermentationsplattformen.

Industrielle Übersetzung: Nutzen Sie politikorientierte, kollaborative Innovationen (z. B. das „Ecological Benefit Credit System“ der EU EFSA), um den Zugang der ersten zertifizierten Produkte zu beschleunigten Zulassungsverfahren wie der US-amerikanischen EPA zu beschleunigen.

Zusammenfassung und Ausblick

Die Anwendung pflanzlicher Peptide in der Landwirtschaft hat eine entscheidende Phase technologischer Durchbrüche erreicht. Die zentrale Herausforderung besteht darin, Engpässe entlang der gesamten Wertschöpfungskette – von der Entdeckung über die Entwicklung und Herstellung bis hin zur Anwendung – zu überwinden. Durch multidisziplinäre Forschungskooperationen, die KI-gestützte, multiskalige Modellierung, Chassis-Rekonstruktionstechnologien aus der synthetischen Biologie und intelligente Verabreichungssysteme aus der Nanomedizin integrieren, sind pflanzliche Peptide auf dem besten Weg, sich zu einer bahnbrechenden Agrartechnologie zu entwickeln, die Produktionseffizienz, ökologische Sicherheit und wirtschaftliche Vorteile in Einklang bringt. Mit dem ersten pflanzenbasierten Biopestizid (wie beispielsweise Spear-T von Vestaron), das weltweit in die Vermarktungsphase eintritt, wird erwartet, dass dieses Feld die dritte Grüne Revolution in der Landwirtschaft anführen und so Ernährungssicherheit und ökologischen Schutz gewährleisten wird. Um einen Quantensprung in der Entwicklung von der Laborforschung zur praktischen Anwendung pflanzlicher Peptide zu erzielen, ist es unerlässlich, die interdisziplinäre Forschung, die politische Unterstützung und die Zusammenarbeit mit der Industrie weiter zu fördern.


Originalartikel:

Yu X, Liu J, Wang W, et al. Pflanzliche Peptide: von der Identifizierung bis zu agronomischen Anwendungen[J]. Molecular Plant, 2025.

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1674205225003910